Als vor Jahren auf einem Projekt ein Vertriebs-Vorstand meinte “Die IT kann machen was sie will, sie darf uns nur nicht stören”, schüttelten die IT-Spezialisten mit dem Kopf. Warum eigentlich? Sie fühlten sich natürlich in ihrer Ehre gekränkt, hatten sie doch immer das Gefühl hervorragende Lösungen für den Fachbereich zu liefern.

Die IT zum damaligen Zeitpunkt war allerdings – wie heute in vielen Unternehmen leider immer noch – sehr technikgetrieben. Hinzu kam eine gesunde Arroganz, von Technik, Prozessen und dem Business alles zu verstehen und damit eine aktive Rolle im Change zu übernehmen. Und Projektmanagement gehörte schon immer zu den Kernkompetenzen des IT’lers…!

Die Zeiten ändern sich glücklicherweise ähnlich wie in der Produktionswirtschaft. Es setzen sich langsam auch in der IT Pull-Strategien durch. Oder anders ausgedrückt: der Demand-Prozess wird im Vergleich zum Supply immer wichtiger. Damit wird auch die Schnittstelle zwischen dem Business und der IT immer wichtiger, der Techniker wird zum IT-Berater für das Business und das Business wird eine zunehmend aktive Rolle bei der Umsetzung von IT-Projekten übernehmen.

Gefragt sind zukünftig “Business-Versteher”, Architekten und Designer sowie IT-Manager, die die Governance, das Risikomanagement und die Compliance sicherstellen. Weniger gefragt sind funktionale Organisationen mit Spezialisten für Leitungen, Hardware oder Datenbanken. Das Business verlangt in volatilen Zeiten schnelle, innovative und sichere Lösungen und interessiert sich nicht für die darunter liegende Technik. IBM spricht in diesem Zusammenhang vom “vertical sourcing”.

Und der Vertriebsvorstand? Er hatte Recht! Hätte ihn damals die IT richtig in Methodiken und das Projektmanagement eingebunden, ihm aber die aktive Rolle im Projekt zugestanden, er hätte sicherlich viele Wünsche für Veränderungen gehabt.