Kolumne von Horst Tisson in der BUSINESS & PEOPLE

Der weltweite Datenverkehr wird in den kommenden Jahren weiter exponentiell wachsen. Die Firma Cisco schätzt das mobile Datenvolumen für das Jahr 2019 auf 24,3 Exabytes – das ist eine Zahl mit 18 Nullen! Die Zunahme des jährlichen Datenvolumens insgesamt schätzen die Marktbeobachter von IDC und des Speichersystem-Herstellers EMC nur ein Jahr später auf 40 Zettabytes. Das sind dann nochmal drei Nullen mehr. Gerechnet wird pro Jahr mit einer Verdoppelung des gesamten Datenbestandes.

Aber wo kommen all diese Daten her? Hatten wir noch vor 40 bis 50 Jahren Rechner- und „EDV“- Architekturen, die räumlich und finanziell limitiert waren, so begünstigte insbesondere die Ent-wicklung des Internets die Datenexplosion. Durch eine immer stärkere Vernetzung, Web 2.0 und die aktive Einbindung der Internetnutzer, technologische Quantensprünge und auch den Preisverfall bei Hardware entstanden immer neuere Architekturen und Netzwerke – und Datenmengen!

Existentielle Bedrohung
Wenn wir immer mehr Daten produzieren und austauschen, und wenn Daten und die hieraus abgeleiteten Informationen für Entscheidungsprozesse in Unternehmen herangezogen werden (müssen), dann brauchen wir den ungehinderten Zugang zu leistungsfähigen Netzen. Denn die Digitalisierung entscheidet immer mehr über Erfolg und Misserfolg auf unseren Märkten. Unternehmen, denen diese Zugänge – ob wegen fehlender Netzabdeckung oder auch fehlender „Breiten“ – fehlen, geraten dann schnell in eine benachteiligte Situation. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung der Digitalisierung für nahezu jede Branche kann das im Extremfall auch zu existentiellen Bedrohungen führen.

Das ganze Thema muss aber auch von der Konsumentenseite aus betrachtet werden: Tagtäglich benutzen wir mobile Endgeräte, machen eBanking und kaufen über das Netz ein. Wir informieren uns über „Nachrichtenkanäle“, und wir suchen gezielt nach wichtigen Informationen. Viele von uns sind in sozialen Netzen wie Xing und Linked-In oder den bekannten Austauschplattformen Facebook, Whatsapp und Instagram unterwegs. Streaming-Dienste werden ebenfalls immer häufiger genutzt. Morgens in der Bahn findet sich kaum noch jemand, der eine Zeitung oder ein Buch liest. Phones und Pads haben das Papier abgelöst. Die nächste Welle, die vor der Tür steht, ist die Virtualisierung und Nutzung von Datenbrillen. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen, willkommen im digitalen Zeitalter! Das kann man gut oder schlecht finden, ändern wird es nichts – wie auch schon bei den vorherigen drei industriellen Revolutionen.

Vierte industrielle Revolution
Rein digitale Geschäftsmodelle wie zum Beispiel Streaming-Dienste benötigen bereits heute große Bandbreiten der Netze, damit der Nutzer störungsfrei Musik, Videos, Nachrichten und andere Inhalte empfangen kann. Für traditionelle Unternehmen kann die vierte industrielle Revolution ebenfalls eine große Chance sein, wenn sie nämlich verstehen, dass zukünftig alles vernetzter und systemischer betrachtet werden muss. Heute dreht sich beispielsweise alles um den Kunden. Unternehmen müssen alles daran setzen, die Bedürfnisse ihrer Klientel zu befriedigen. Sie müssen die individuellen Vorlieben und Erwartungen kennen. Sie müssen sich überlegen, wo und wie sie an die relevanten Daten kommen und wie sie daraus die richtigen Informationen ziehen. Firmen müssen verstehen, dass ihre Kunden nicht in der Bahn sitzen, sondern sich beispielsweise in sozialen Netzwerken und in virtuellen Welten „aufhalten“.

„Breitband“ ist deshalb ein wirtschaftspolitisches Thema, weil es nicht nur die Unternehmen in ihrer direkten Netzanbindung zum Austausch von Daten betrifft. Auch die Konsumenten müssen einfach und ungehindert ins World Wide Net kommen. Die Bundesregierung hat das erkannt, läuft allerdings ihren gesteckten Zielen hinterher. Immerhin soll es nach Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bis 2018 ein schnelles Internet für alle geben …

Ihr Horst Tisson