Digitalisierung ist exponentiell. Daten, Internet, Vernetzung – alles wächst in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit. Daraus ergeben sich Chancen und Risiken für Unternehmen (siehe hierzu auch vorherige Beiträge). Aber wie verhält es sich eigentlich mit dem IT-Bereich selbst? Welche Rolle spielte die IT in der Vergangenheit, was sind die Aufgaben heute und wie sieht die IT-Abteilung der Zukunft aus? Es ist ein Unterfangen, diesen Fragen in einem kurzen Blog nachzugehen. Aber versuchen wir es in einem Zeitraffer und mit einigen wesentlichen Statements.

Die IT hat lange Zeit ein Eigenleben geführt. Rechner, Platten, Datenbanken oder Anwendungen, Architekturen, Entwicklungswerkzeuge und so weiter: alles war technisch und keiner (außer die IT selbst) hat es verstanden. Das war gut so – für den CIO, die Techniker und auch Berater. Es wurden riesige Investitionssummen und Kosten verschlungen und das so genannte Business hat die Rechnung zähneknirschend bezahlt. Selbst in einer Zwischenphase, als die IT in nahezu jedem Unternehmen zum Dienstleister erklärt wurde, konnte das Problem nicht gelöst werden. Man versuchte zwar dem CIO klar zu machen, dass er für das vereinbarte Budget eine Dienstleistung zu erbringen hat. Das Ergebnis sah aber nach wie vor verheerend aus: gescheiterte Projekte, teure Applikationen und eine ganze Menge Overhead. Von Transparenz nach wie vor ganz zu schweigen.

Etwas anders wurde es dann ab den 1980er Jahren, als die Standardisierung vieler IT-Leistungen Einzug hielt (siehe ITIL, COBIT etc.) und zunehmend die Erkenntnis wuchs, dass die IT ihrem (Business-) Kunden Ergebnisse in Form von Services zu liefern hat. Diese Kostenträger hatten nun die Aufgabe, die Geschäftsprozesse des Unternehmens zu unterstützen – allerdings bis heute in vielen Unternehmen unzureichend was Qualität und Nutzenbeitrag sowie Kostentransparenz betrifft. Wenig zielführend war dann auch noch 2003 die Veröffentlichung „IT Doesn’t Matter“ von Nicolas G. Carr im Harvard Business Review, in dem er Unternehmen durch den Einsatz der „Commodity“ IT keine Wettbewerbsvorteile einräumte. In der Herleitung und im Ansatz sicherlich bemerkenswert, aber wie wir heute wissen falsch. Und für den CIO gefährlich, denn damit wurde seine Position mit Blick auf das „C“ weiter geschwächt.

Und heute?

Der CIO hat es in vielen Unternehmen nicht geschafft. Er ist nicht auf der Chef-Etage, gestaltet nicht mit, ist Kostenverursacher und bringt nicht den erwarteteten Nutzen. Und in großen Unternehmen wird ihm dann auch noch der CDO (Chief Digital Officer) vorgesetzt. Im Mittelstand gibt es diese Funktion nicht, aber die Aufgaben sind ähnlich und werden von anderen Personen wahrgenommen. Warum ist das so, wenn – wie wir alle wissen – die IT mittlerweile über Leben und Überleben entscheidet? Was läuft falsch, wenn mindestens seit einer Dekade von der Entwicklung hin zum Business-Partner gesprochen wird und der CIO dennoch meist in der Technik-Ecke verortet ist? Will er nicht oder lässt man ihn nicht? Letzteres scheint eigentlich ausgeschlossen, sonst würde es die Rolle des CDO nicht geben. Nicht wollen kann auch nicht sein, das passt nicht auf diese Managementebene, ist karriereschädigend. Vielleicht kann er aber auch nicht!

Fakt ist, dass sich die Agenda des CIO’s in den letzten Jahren dramatisch erweitert hat. Hat er sich früher um die vorwiegend technischen Fragen gekümmert, so muss er diese heute weiterhin beantworten – nur viel umfangreicher und komplexer. Hinzu kommen Themen wie Sicherheit und Risikomanagement, aber auch Organisations- und Führungsaufgaben, Governance und Compliance sowie Projekt- und Change Management. Der CIO muss sich um klassische betriebswirtschaftliche Aufgaben kümmern (Kostenrechnung, Budgetierung, Investitionsrechnung, Portfoliomanagement) und er muss über Kernkompetenzen und Outsourcing entscheiden (siehe als Übersicht auch die „Agenda des CIO“). Er muss weiter standardisieren und modularisieren und hin zum Business und Unternehmenskunden individualisieren.

Ist es gerecht von einem Kostenverursacher zu sprechen, der nicht den erwarteten Nutzen bringt? Oder müsste hier nicht anerkennend der Hut gezogen werden? Die IT der Zukunft wird eine hoch-performante Service Factory sein, die dem immensen Druck von der Markt- und Kundenseite standhalten muss. Anders als beispielsweise im Produktionsbetrieb handelt es sich nicht um diskrete Produkte. Die IT beschäftigt sich mit virtuellen Artefakten und schafft trotzdem Standardisierungen und Leistungstiefenreduktionen. Der CIO ist in Sphären unterwegs, die andere „C’s“ nicht im Ansatz erreichen. Und dennoch wird oft schnell geurteilt und geschäftsschädigend eine Schatten-IT aufgebaut.

Wenn Unternehmen die Digitalisierung und damit auch die Rolle der IT als wesentlichen Faktor für erfolgreiche Geschäftsmodelle richtig bewerten, dann vermeiden sie am besten die bloße Schaffung von neuen Funktionen wie die des CDO. Das sieht ein wenig aus wie das Festhalten an Rettungsankern im Hard- und Softwarebereich, wie wir das aus der Vergangenheit oft beobachten konnten : „Wenn wir … einsetzen, dann haben wir unser Problem gelöst“. Bei unseren Themen der Zukunft ist aber vielmehr fundiertes, konstruktives und vor allem gemeinsames Handeln gefragt.

Ihr Horst Tisson