Das Jahr geht langsam zu Ende, Weihnachten und Silvester stehen vor der Tür – Zeit also für einen kleinen Rückblick und auf das, was (vermutlich) kommt.

Wir bei Tisson & Company haben unser Geschäft betrieben wie in den letzten 20 Jahren. Und doch war alles ein wenig anders als sonst. Bereits in den letzten Jahren spürten auch wir, dass sich die Branche und unser Geschäft verändern. Dass es nicht nur ein Gefühl war, wussten wir aus zahlreichen Gesprächen mit Wettbewerbern und Partnern. Der Markt ist übersättigt mit Beratern, wenn auch nicht alle Anbieter den geforderten „Success Record“ vorweisen können. Der Beruf „Berater“ ist bekanntlich nicht geschützt. Die Margen werden kleiner, weil eben „jeder“ alles zu jedem Preis anbietet. Und auch Compliance-Regeln machen es beispielsweise für alle Beteiligten nicht einfacher, wenn Abläufe und Preise im Vordergrund stehen und in vielen Fällen nicht der erwartete Mehrwert erzielt wird. Auch in unserer Branche trägt die Digitalisierung wesentlich zu den Veränderungen bei.

Industrie 4.0 und Digitalisierung – wie wir es in zahlreichen Vorträgen und Veröffentlichungen immer wieder penetriert haben – führen zu nachhaltigen Verwerfungen auf fast allen Märkten. In einigen Branchen ist die Disruption bereits (vorhersagbar) angekommen, z. B. Handel, Banken, Versicherungen, Systemhäuser. In vielen Fällen stellt sich bereits die Frage nach Sinn und Zweck der jeweiligen Institution. FinTech-Produkte lösen in Teilen Bankgeschäfte ab, das Portal (eines der Zauberwörter der Zukunft) ersetzt ganze Vertriebsorganisationen (und Kundenbeziehungen) und der Bauchladen führt ins Verderben.

Auch der Berater leidet darunter. Denn wie soll er sich in der Masse der vielen Anbieter differenzieren und wie soll er prosperieren, wenn auch hier die Portale immer mächtiger werden und Unternehmen aus Effizienzgründen diese vorzugsweise im Rahmen einer „strategischen Sourcing-Strategie“ nutzen. Berater müssen spezialisieren, das „Matching“ übernehmen die Portale und die Orchestrierung beziehungsweise die „Beratungs-Logistik“ die beauftragenden Unternehmen – wenn sie es denn können. Wobei wir an dieser Stelle darauf hinweisen sollten, dass es sich bei dem hier beschriebenen Berater eher um die Spezies der Freelancer und Positionsbesetzer handelt.

Aber auch in der „echten Beratung“ sind Veränderungen spürbar. Hier versuchen Auftraggeber – Effizienz getrieben – nur noch über Preise zu reden und vernachlässigen dabei den eigentlichen Mehrwert einer guten Beratung. Das ähnelt sehr stark dem Vorgehen vieler Unternehmen beim Thema Industrie 4.0: Fokussierung auf Effizienz, Automatisierung, Robotik, Vernetzung. Das ist einfacher als die Beschäftigung mit Märkten, Kunden und Strategien. Außerdem hat man ja in den letzten Jahren Erfolg gehabt und sieht im Moment keinen Bedarf für grundlegende Veränderungen in diesem Bereich. Man muss allerdings darauf hinweisen, dass diese eher nach innen gerichtete Sichtweise erfahrungsgemäß meist im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen vorzufinden ist.

Wir selbst haben uns vor zwei Jahren auf die Reise der Veränderung begeben. Wir sind Generalisten und Spezialisten zugleich. Wer sich über 20 Jahre mit betriebswirtschaftlichen Themen auseinandersetzt, zahlreiche Reorganisationen und Systemumstellungen durchgeführt hat, also auch über tiefgreifende Prozess- und IT-Kenntnisse sowie das nötige Projektmanagement verfügt, der hat einen breiten Erfahrungsschatz. Und dennoch werden wir zunehmend „nicht wahrgenommen“. Dann sehen wir uns oft der Frage gegenüber, was wir denn genau machen und wo wir uns differenzieren. Fragen, die schon fast stereotyp wirken, als wären sie Reproduktionen aus irgendwelchen Vorlesungen oder Fachbüchern zur Strategiefindung – Fragen, die aber dennoch berechtigt sind.

Fokussierung ist richtig und macht auch viel Spaß, insbesondere wenn man den konkreten Nutzen beim Kunden trifft. Wie wir das zukünftig machen, werden Sie hier in Kürze lesen. Nur so viel: es hat mit der Digitalisierung zu tun, ist aber unter dieser Überschrift wiederum zu unspezifisch. Es hat mit digitalen Strategien zu tun, ist aber vielfach noch zu missionarisch. Es hat aber auch mit der internen (IT-) Leistungserbringung, mit Effizienzen und Kostenmanagement zu tun, das verstehen viele. Und es hat mit Kommunikation und Interdisziplinarität zu tun. Dennoch ist unser Ansatz auf den Punkt und nach den ersten Projekten in diesem Umfeld sehr vielversprechend.

Wir freuen uns auf eine digitale Zukunft mit Ihnen und wünschen ein frohes Weihnachtsfest sowie einen guten Rutsch in ein gesundes und erfolgreiches 2016!

Ihr Horst Tisson