In seinem Buch „Die Kunst des klaren Denkens – 52 Denkfehler“ erklärt uns Rolf Dobelli in kurzweiliger Art und Weise, wie wir systematisch Denkfehlern unterliegen. Dabei verwendet er das Wort „systematisch“ ganz bewusst, weil wir nach seiner Meinung oft in dieselbe Richtung irren. Wir überschätzen uns häufiger, als dass wir uns unterschätzen. Oder die Angst etwas zu verlieren treibt uns mehr an als die Aussicht auf Erfolg. Wir glauben, dass Harvard die beste Universität ist, aber vielleicht rekrutiert sie nur geschickt die besten Studenten. Wir investieren in Lebensläufe, weil die vielen Stars um uns herum beweisen, wie man Erfolg haben kann. Aber was ist mit den vielen Gescheiterten? Wir sehen die Spitze des Eisbergs und erklären Sie für das Wahre. Wir treffen Entscheidungen auf Basis von Hypothesen, die wir nicht prüfen.

Gibt es diese Denkfehler auch in Unternehmen, speziell im Zusammenhang mit unserer viel zitierten Digitalisierung? Ja sicher wird es diese geben. Ob es gleich 52 sind oder etwas richtig oder falsch ist, an dieser Stelle soll nur zum Denken angeregt werden. In vielen Fällen könnten wir uns aber einen Gefallen tun, wenn wir Dinge einfach nur etwas genauer hinterfragen würden.

Ist beispielsweise der CDO (Chief Digital Officer) die Lösung für das „Digitalisierungsproblem“ und überbrückt er den Graben zwischen dem Business und dem „Techniker CIO“? Kann die Schaffung einer Position ein Problem lösen und was ist eigentlich das Problem? Tatsache ist, dass der CIO eine „gewachsene Position“ ist, die ihren Ursprung in der Technik hat. Jahrelang wurde ihm dann aus einer falschen Motivation heraus klar gemacht, dass er Dienstleister für das Business ist – eine Dienstleistung, mit der heute viele nicht zufrieden sind: alles dauert zu lange und die IT ist zu teuer. Aber was sind die Ursachen? Wird der CDO prosperieren, wird er den Erfolg für das Unternehmen bringen? Oder wird er sich auf Kosten des CIO relativ schnell in die Geschäftsleitung katapultieren, das Grundproblem aber nicht besser gelöst haben?

Wir haben es heute mit exponentiellen Entwicklungen zu tun. Die Komplexität steigt ins Unermessliche. Das Business erkennt die Macht der Daten und verlangt Data Warehouses und Business Intelligence. In der IT wird von den zwei Geschwindigkeiten gesprochen. Kommt der CIO bei der einen Geschwindigkeit noch hinterher, so entsteht aus Ungeduld im anderen Bereich oft eine Schatten-IT. Ist es richtig vor dem Hintergrund von Industrie 4.0 und Big Data jeden Sensor einzulesen und im Minutentakt Gigabytes an Daten zu produzieren? Ist es sinnvoll, wirklich alles zu digitalisieren ohne vorher eine gute Strategie zu entwickeln?

Wer planlos (Roh-) Daten sammelt, wird sicherlich keine großen Erfolge erzielen. Entscheidend für wichtige Management-Entscheidungen ist die Information. Und diese ist in der Regel das Ergebnis eines guten Transformationsprozesses, in den Menschen eingebunden sind und Kommunikation im Vordergrund steht. Ein großer Konzern des Personen- und Gütertransports verdichtete vor Jahren ein System von über 50 Kennzahlen auf wenige Key Performance Indicator (KPI) und schaffte damit eine erhebliche Verbesserung der Aussagekraft, eine Reduzierung der Komplexität, kürzere Management-Sitzungen und einfachere Anreizsysteme. Die Deutsche Bahn geht jetzt den gleichen Weg und schafft mit der Kennzahl für Pünktlichkeit sogar eine Grundlage für ein Vergütungssystem.

Welche Kennzahlen der IT könnten die Richtigen sein, um zielgerichtet eine fundierte Aussage über den Leistungsbeitrag treffen zu können? Ist es überhaupt sinnvoll – wie in vielen IT-Abteilungen vorzufinden – eigene Kennzahlensysteme zu entwickeln? Auch hier wäre es sicherlich vernünftig, wenn alle Beteiligten an einem Tisch säßen und fern jeglichen Fürstentum-Denkens den wahren Unternehmenszweck in den Mittelpunkt der Überlegungen stellen würden: Geld verdienen mit dem Kunden! Ein großer Denkfehler in diesem Zusammenhang ist es, vom Business auf der einen Seite, von der IT auf der anderen Seite und vom CDO mittendrin zu sprechen. Unternehmen sind stark vernetzte Systeme, die in Ihrer Gänze analysiert und gesteuert werden müssen.

Kennen Sie weitere Denkfehler und Irrtümer? Schreiben Sie mir gerne, ich freue mich!

Ihr Horst Tisson