In den letzten Jahren wurden zahlreiche Statistiken und Rankings von Institutionen, Agenturen oder auch Unternehmensberatungen zu den Trends in der IT oder den durch die IT betroffenen Branchen herausgegeben. Dabei ist zu konstatieren, dass auch hier ein Trend auffällig ist: es werden immer mehr! Für mich ist das nicht überraschend, eher eine Bestätigung für unsere gesamtheitliche systemische Betrachtung der Dinge. Wurde IT früher in einer internen Sicht im Wesentlichen auf Funktionen und Prozesse bezogen – zunächst in Einzellösungen und dann in ERP-Systemen, so wird vielen Akteuren heute immer klarer: Digitalisierung und Industrie 4.0 erfassen seit einigen Jahren die Gesamtwirtschaft und einzelne Unternehmen müssen sich in diesem dynamischen System als Elemente ständig neu erfinden.

Zu den heutigen Mega-Trends gehören u. a. eCommerce und Mobile. Auch dies ist nicht besonders überraschend, zumal es seit Jahren erfolgreiche Protagonisten (Amazon, Ebay, Google, Apple) gibt und auch Studien auf die Disruptionspotenziale hinweisen (Deloitte, 2014, „lange und kurze Lunte, großer und kleiner Knall“). Einige Branchen sind heute mittendrin, andere bereiten sich auf massive Veränderungen vor: Verschiebung von Märkten und Strukturen, Änderung der Kunden- und Lieferantenbeziehungen, neue Partnerschaften, veränderte Wertschöpfungsketten, maximale Effizienzforderungen und immer anspruchsvollere Kunden. Beängstigend ist dennoch die hohe Anzahl der Mittelständler, die so weiter machen wie bisher, oder das Thema an die IT abgeben. Ganz gefährlich sind die Manager, die früher IBM, SAP oder McKinsey einkauften und damit per se schon nichts falsch machen wollten, und heute in Strategiesitzungen „eCommerce“ oder „Mobile“ durchwinken und die IT beauftragen, den „Plan“ umzusetzen. Nichts gegen die o. g. und geschätzten Unternehmen, hier geht es um die „Alibi-Entscheidungen“ von fahrlässig handelnden Managern.

eCommerce und Mobile sind unbestritten Mega-Trends. Digitalisierung fängt aber in der Organisation, in den Köpfen und bei der Kultur des Unternehmens an. Wer sich mit Digitalisierung im Allgemeinen und mit eCommerce und Mobile im Speziellen auseinandersetzt, muss sich auch mit den Märkten, den Strukturen, mit Kunden, Lieferanten und anderen Kräften auseinandersetzen. Stellen Sie doch mal in Ihrer Manager-Runde die Frage, wer Ihr Kunde ist. Und strapazieren Sie die Diskussion, hinterfragen Sie Ihre heutigen Strukturen. Fragen Sie dann nach den Kanälen, über die Sie heute oder zukünftig kommunizieren und Geschäfte machen. Auch die Beschäftigung mit dem Kundennutzen wird sicherlich spannend sein. Ich wette, Sie werden verschiedene Ergebnisse und keine Einigkeit erzielen, Sie werden spekulieren und philosopieren, und Sie werden am Ende nicht mehr wissen, ob alles Jetzige sinnvoll ist. Selbst die Frage „machen wir B2B oder B2C“ könnte schon deshalb interessant sein, wenn sich durch veränderte Wertschöpfungsketten plötzlich(!) ganz andere Marktformen etablieren und in einer Supply Chain bisher anerkannte Institutionen in Frage gestellt werden müssen.

Herzliche Grüße,
Ihr Horst Tisson