Kürzlich war in einem Artikel des Wirtschaftsblatt* zu lesen, dass mit Diensten aus der Cloud das klassische Outsourcing eine Trendwende erlebt. Laut einer branchenübergreifenden PwC-Studie würde die Veränderung Effizienzsteigerungen und Kostenreduktionen bringen. Und im Kern ginge es bei dieser (vierten) industriellen Revolution um eine Vernetzung im Produktionsprozess und um die Organisation der gesamten Wertschöpfungskette über den Lebenszyklus von Produkten hinaus. Positiv ist zu erwähnen, dass auf eine ganzheitliche Planung hingewiesen wird, bei der nicht die IT-Abteilung sondern die Vorstandsebene gefragt ist. Aber das alleine kann es nicht sein. Digitalisierung muss viel umfassender verstanden werden, Outsourcing und Cloud sind dabei Teilbetrachtungen. Hier geht es um das gesamte Unternehmen und dessen Strategie. Und es geht um mehr als nur Technik.

Fakt ist, dass wir durch Digitalisierung massive Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Wirtschaft, im Privaten und auch an den Schnittstellen haben. Märkte verändern sich dadurch, dass Markteintrittsbarrieren teilweise stark sinken und neue Player auf den Markt kommen, dass Produkte und Dienstleistungen kurzfristig substitutiert und die Kunden immer anspruchsvoller werden. Wir fangen an, Dienstleistungen zu leben und denken zunehmend in Services – sowohl extern als auch bei internen Leistungsbeziehungen.

Wenn ein Unternehmen auf dem Markt Neuerungen anbietet, dann können dadurch Wettbewerbsvorteile erzielt werden. Wenn der Markt attraktiv ist, wird es Nachahmer und damit weitere Konkurrenten geben. Dadurch entsteht Druck auf Qualität und Preise, so dass sich die Unternehmen zunehmend um Themen wie Standardisierung, Modularisierung und damit Effizienzsteigerungen kümmern werden. IT-Abteilungen haben keine wirklichen Märkte. Ihr Kunde ist das Business und das Budget wird im Unternehmen vereinbart. Abgesehen von einigen strategischen Neuentwicklungen, die insgesamt gesehen rentabel sein sollten, liegt die Zukunft des IT-Bereichs in der Standardisierung und der Schaffung von austauschbaren, vergleichbaren und damit auch betriebswirtschaftlich kalkulierbaren Produkten, den so genannten IT-Services.

Durch den zunehmenden Demand (Anforderungen von Markt, Kunde, Business) und auf der anderen Seite die Aufrechterhaltung der Verfügbarkeit hochkomplexer IT-Architekturen entstand in den letzten Jahren eine Bimodalität, der nur durch Fokussierung und geschicktes Portfoliomanagement, durch Komplexitätsabbau und letztendlich die Standardisierung von Services begegnet werden kann. Auch das funktioniert nur, wenn die Unternehmung insgesamt und damit Vorstand und Geschäftsführung dahinter stehen. Outsourcing in den frühen Jahren konnte nicht zu den gewünschten Erfolgen führen, weil viele Voraussetzungen nicht gegeben waren. Das waren meist bilaterale langfristige Verträge und damit Fixkostenverschiebungen von links nach rechts. Moderne IT-Abteilungen werden zukünftig auf der Beschaffungs- und Leistungsseite maximal standardisieren müssen und durch geschickte Orchestrierung auf der Kundenseite ihre Services individualisiert anbieten.

Heutige Cloud-Lösungen erlauben eine Kostenflexibilisierung, weil Leistungen in der Regel nach oben und nach unten skaliert werden können. Unternehmen können somit externe Services beschäftigungsabhängig in Anspruch nehmen. Wichtig für Unternehmen ist aber, das Thema in einem Gesamtzusammenhang zu sehen. Cloud muss letztendlich in die Gesamtunternehmensstrategie passen, Kundennutzen müssen geschaffen werden, die Risikopolitik ist zu berücksichtigen und auch hinsichtlich des Ressourceneinsatzes muss Klarheit bestehen. Insbesondere müssen Mitarbeiter, Prozesse und Systeme darauf abgestellt sein, standardisierte Services von einem oder mehreren Providern zu beziehen, ohne dass es dabei zu gravierenden Schnittstellenproblemen führt. Wenn eine Organisation darauf nicht vorbereitet ist, wird vermutlich auch Cloud kein Erfolgsmodell werden.

Ihr Horst Tisson

* http://wirtschaftsblatt.at/home/life/techzone/4946674/Die-Vernetzung-der-Welt_Digital-und-physikalisch