75 Prozent aller Organisationen werden im Jahre 2017 ihre IT auf „bimodal“ umgestellt haben, so lautet die Annahme von Daryl Plummer (Managing Vice President und Gartner Fellow). Das ist eine interessante Hypothese, denn das wären gerade mal vier Jahre, nachdem Gartner den Begriff „Bimodal IT“ erstmalig erwähnt hat. Aber es stellt sich auch die Frage, ob diese Bimodalität abgegrenzt auf einer IT-Insel sinnvoll ist.

Fakt ist, dass die Anforderungen an den IT-Bereich durch technologische Entwicklungen und die Digitalisierung der Geschäftsmodelle erheblich steigen und die Arbeitsbelastung exponentiell zunimmt. Im Ergebnis heißt das für den CIO, dass er sowohl die komplexer werdende Delivery mit immer höheren Serviceverfügbarkeiten sicherstellen und gleichzeitig immer schneller auf die Bedarfe des Business reagieren muss. Insofern ergeben sich zweifellos zwei Geschwindigkeiten in diesem Leistungsbereich.

Neben der eher prozessualen Problematik kommen noch inhaltliche Themen wie Big Data, Data Warehouse oder Business Intelligence hinzu, für die erst einmal die entsprechenden Fähigkeiten entwickelt werden müssen. Während Marketing und Vertrieb, Einkauf und andere Geschäftseinheiten mit „Lösungen“ wie Predictive Maintenance oder „Trace and Tracking“ der IT immer massiver und in immer kürzeren zeitlichen Abständen auf die Pelle rücken, muss sich die IT teilweise erst auf diese Anforderungen einrichten: intern fehlt das Know-how und extern sind die Experten meist nicht verfügbar. Aus „die kosten viel und leisten nicht“ wird dann oft Schatten-IT, die am Ende niemandem hilft.

Bimodalität in der IT scheint für viele IT-Leiter die Lösung zu sein. Im Delivery-Bereich wird der Betrieb wie gehabt, allerdings zunehmend automatisierter, abgewickelt und im Demand- bzw. Change-Bereich wird sich agil aufgestellt. Weil sich aber Business und IT immer mehr verzahnen, muss hier ganzheitlicher gedacht werden. Unternehmen müssen in einem Enterprise-Ansatz sämtliche beteiligten Fachbereiche inklusive der IT in agilen Steering Groups organisieren, die sich dann mit Geschäftsmodellen, digitalen Services, den Anforderungen an das Unternehmen und die IT, aber auch Projekt- bzw. Service-Portfolio, Design und Umsetzungsprojekten beschäftigen.

Die Unternehmensleitungen dürfen folglich nicht ein zweites Mal den Fehler begehen, die IT zum reinen Dienstleister des Business zu erklären. Das war in der Vergangenheit ein völlig falscher Ansatz und hat zu dem tiefen Graben zwischen Business und IT geführt. Und alleine die Schaffung einer neuen Funktion eines CDO wird hier auch nicht weiterhelfen. Um die zukünftigen Digitalisierungsthemen bewältigen zu können, bedarf es eines Enterprise-Ansatzes unter Einbeziehung interdisziplinärer Arbeitsgruppen und gleichberechtigter Partner. Diese müssen agil und flexibel für die neuen Herausforderungen aufgestellt werden und bringen damit unternehmensweit eine zweite Geschwindigkeit in die Organisation.

Ihr Horst Tisson