Wenn Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel mittlerweile von „Neuland“ zu „Daten sind der Rohstoff der Zukunft“ gekommen ist, dann ist das gut. Und wenn Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bis zum Jahr 2018 insgesamt 2,7 Mrd Euro für den Ausbau unserer Netze zur Verfügung stellen wird, dann ist das auch gut. Das wird aber nicht reichen, wenn wir den Anschluss an die Weltwirtschaft halten und unsere Unternehmen auf die digitalen Veränderungen vorbereiten wollen. Das sind Basics. Als würden wir ständig über unser Straßennetz sprechen, aber in der Hauptsache für die Entwicklung der Autoindustrie zuständig sein …

Es wurde doch schon 2011 von Politik und Industrie die Initiative „Industrie 4.0“ ins Leben gerufen. Und viele Praktiker und Wissenschaftler wissen auch, welche Chancen und Risiken sich aus den technologischen Möglichkeiten ergeben können. Wenn wir die Autoindustrie wollen, aber ständig über die Infrastruktur sprechen, dann erreichen wir nicht die Unternehmer und Manager, die zukünftig wichtige Entscheidungen treffen müssen. Ist denn der Politik vor vier Jahren überhaupt klar gewesen, um was es bei Industrie 4.0 überhaupt geht?

Es muss auf allen Ebenen und jeden Tag penetriert werden, dass wir vor einem Tsunami stehen. Wir wissen doch heute schon, dass sich Kundenanforderungen stark verändern, Eintrittsbarrieren für neue Wettbewerber massiv sinken und Substitute ganze Geschäftsmodelle vernichten. Wir sind in einer disruptiven Welt angekommen und das Veränderungstempo wird exponentiell steigen.

Was macht denn ein Teilefertiger, wenn Airbus, wie angekündigt, zukünftig bei besserer Qualität und erheblich weniger Materialaufwand diverse Teile „drucken“ wird (ALM = Additive Layout Manufacturing)?

Was macht denn die Autoindustrie, wenn zukünftig Google oder Apple Teile ordern und selbst assemblieren?

Was machen denn Unternehmen, wenn ihre Kunden zwar physisch in der U-Bahn sitzen, sich aber virtuell in diversen Social Networks aufhalten? Interviews am Bahnhof durchführen über die Zufriedenheit mit ihren Produkten?

Ich habe seit diesem Sommer einen Mäh-Roboter, kann ihn über mein Mobile steuern und erfreue mich jeden Tag über den gleichmäßig geschnittenen Rasen. Die Pay-off-Period beträgt 2,5 Jahre im Vergleich zum professionellen Gärtner, bei dem die Qualität nicht sonderlich gut war. Wenn in der Gärtnerei 20 Personen arbeiten und davon 2 Mitarbeiter für das Mähen von Rasen zuständig sind, dann könnten 10% der Arbeitsplätze gefährdet und ein erheblicher Gewinnanteil betroffen sein. Ich erwähne an dieser Stelle übrigens bewusst den Gewinn, weil die Marge bei Unkrautzupfen deutlich geringer ist …

Gehen Sie als Unternehmer und Manager jeden Tag mit offenen Augen durch die Welt und stellen Sie alles in Frage. Akzeptieren Sie nicht das, was Sie schon immer (erfolgreich) gemacht haben. Und wenn Sie demnächst mal wieder in Ihrer Controlling-Abteilung sind, fragen Sie mal nach der wichtigsten Kennzahl im Unternehmen: Kundenzufriedenheit!

Mit den besten Wünschen für Ihren Erfolg,
Ihr Horst Tisson