Treiber oder Getriebener? Diese Frage müssen sich in Zeiten der digitalen Disruption immer mehr Unternehmen stellen. In einer Studie von Deloitte wird sehr anschaulich herausgearbeitet, welche Branchen in den nächsten Jahren in welchem Maße Veränderungen erleben werden. Die Zeitdimension wird dabei mit langer und kurzer Lunte, das Ausmaß mit kleinem und großem Knall dargestellt. Nur um es etwas deutlicher zu formulieren: wir reden bei der kurzen Lunte über die kommenden 2-3 Jahre und der große Knall kann zerstörerisch sein!

Vor kurzem führten wir bei Tisson & Company eine Kampagne zum Thema Industrie 4.0 und Digitalisierung durch. Ziel war es, Vorstände und Geschäftsführungen zu den Themen anzusprechen und herauszufinden, wie diese reagieren. Die Ergebnisse waren äußerst interessant, aber auch verblüffend und ernüchternd. Da es sich nicht um eine wissenschaftlich fundierte Analyse handelte, werden wir an dieser Stelle auch nur tendenzielle Aussagen treffen. Wir haben aber festgestellt, dass sich die kontaktierten Unternehmen in 4 Gruppen einteilen lassen:

  1. Unternehmen, die sich mit dem Thema befassen und auch schon Projekte hierzu angestoßen haben bzw. diese planen.
  2. Unternehmen, die Industrie 4.0 und Digitalisierung auf dem Radar haben, aber im Moment keinen Handlungsbedarf sehen und erst in 1-2 Jahren aktiv werden wollen.
  3. Unternehmen, die das Thema kennen, aber sofort auf die IT-Abteilung verweisen. Begründung hier: das ist ein IT-Thema.
  4. Unternehmen, die von sich behaupten, mit Industrie 4.0 und Digitalisierung nichts zu tun zu haben.

Ermutigend ist, dass nur wenige das Thema ausblenden und in Gruppe 4 fallen. Ernüchternd war aber auch, dass es nicht viele Unternehmen innerhalb der Kampagne gab, die sich mit dem Thema befassen. Häufiger waren es in dieser Gruppe Unternehmen, die dem produzierenden Gewerbe zuzurechnen sind und Industrie 4.0 vermutlich eher als Automatisierung oder M2M-Kommunikation verstehen. Erschreckend sind aber die Erkenntnisse, dass Unternehmen bei dem Hochgeschwindigkeitsthema Digitalisierung entweder noch ausreichend Zeit für ihre Entscheidungen vermuten oder immer noch der Meinung sind, es handelt sich hier um eine IT-Sache.

Wie hieß es auf dem Deutschen Handelskongress am 18. November 2015: „Der Kunde gibt das Tempo der Transformation vor“. Und an dieser Stelle wird sich sehr schnell die Spreu vom Weizen trennen. Wer nicht versteht, dass sich momentan ganze Märkte oder Supply Chains verschieben oder auch große Unternehmen vor der Disruption nicht verschont bleiben, sollte sich dringlichst mit Themen wie Handelsplattformen, Apple, Google und Amazon, eSIM oder dem autonomen Fahren beschäftigen. Am Weitesten wird man vielleicht kommen, wenn man sein eigenes Unternehmen einmal von außen betrachtet und darüber nachdenkt, wie man sich selbst zerstören könnte…

Ihr Horst Tisson