Auszug meiner aktuellen Artikel
Impulse für bessere Unternehmensentscheidungen
Aktuelle Einordnungen und Denkanstöße zu Organisation, Prozessen, Daten und Künstlicher Intelligenz. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Unternehmen neue Technologien sinnvoll einsetzen, bessere Entscheidungen treffen und nachhaltigen wirtschaftlichen Nutzen schaffen.

Warum ich den Einsatz von KI bedenklich finde.
Viele Unternehmen investieren in KI – doch nur wenige erzielen damit einen messbaren finanziellen Erfolg. Warum persönliche Zeitersparnis noch kein ROI ist und wo der wirtschaftliche Nutzen von KI tatsächlich beginnt.

Gefährlichste KI-Nebenwirkung: verlerntes eigenes Entscheiden!
KI unterstützt uns bei schwierigen Fragen – kann aber zugleich unser anschließendes Urteil beeinflussen. Der Beitrag beleuchtet, warum wir gerade bei wichtigen Entscheidungen zuerst selbst nachdenken sollten.

KI demokratisiert Wissen, nicht notwendigerweise Experstise
Generative KI liefert in wenigen Minuten professionell wirkende Ergebnisse. Doch wer kann beurteilen, ob sie auch fachlich richtig sind? Warum Erfahrung und Urteilsvermögen im KI-Zeitalter wichtiger werden.
veröffentlicht am 02.09.2026
Warum ich den Einsatz von KI in Unternehmen bedenklich finde
Unternehmen investieren zunehmend Zeit und Geld in den Einsatz von KI. Die Gründe dafür sind betriebswirtschaftlich oft nicht nachvollziehbar. Wenn man nachfragt, heißt es: „andere machen das jetzt auch“, „wer jetzt nicht investiert, für den ist der Zug abgefahren“ oder „mit KI werden wir effektiver und effizienter“.
Für mich ergeben sich hier Parallelen zu meinen Vorlesungen und Vorträgen: Wenn Visionen und Strategien formuliert werden, frage ich immer: „Wie misst du das?“. Oder ganz konkret: „Wir wollen in 2-3 Jahren Marktführer sein“ – aber was heißt das, woran erkenne ich die Zielerreichung? Und was haben die Maßnahmen gekostet, gibt es eine ROI-Rechnung?
Der Mehrzahl der Unternehmen fehlt das Steuerungsparadigma, Ziele zu definieren, zu quantifizieren, zu messen und zu steuern. Bereits Peter Drucker und Alfred Rappaport erwähnten „If you can’t measure it, you can’t manage it“. Leider ist es dann nicht so. Informationen werden in Unternehmen gesammelt, Alternativen bewertet, Abstimmungen durchgeführt und Freigaben eingeholt. Diese Kosten tauchen allerdings in keiner eigenen Position der Gewinn-und-Verlust-Rechnung auf. Sie sind über Prozesse, Funktionen und Managementebenen verteilt.
Nach McKinsey („The state of AI in 2026: On the road to ROI“, 08/2026; „The decision dividend: How AI creates economic value“, 08/2026.) sind 80 Prozent der Befragten der Meinung, dass KI ihre persönliche Produktivität verbessert. 50 Prozent berichten, mithilfe von KI bessere Entscheidungen zu treffen. Allerdings sieht es auf Unternehmensebene anders aus: Nur 37 Prozent der Unternehmen steigern durch den Einsatz von KI ihren operativen Gewinn. Lediglich sechs Prozent erzielen damit einen spürbaren finanziellen Erfolg und gelten als sogenannte „AI High Performer“.
Die Zahlen zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen individueller und unternehmerischer Wirkung: Wenn einzelne Beschäftigte schneller arbeiten, wird dadurch nicht automatisch das gesamte Unternehmen produktiver oder profitabler.
Zeitersparnis bleibt zunächst ein individueller Effekt. Wirtschaftlicher Wert entsteht erst, wenn Unternehmen diese zusätzlichen Möglichkeiten in bessere Prozesse und bessere Entscheidungen übersetzen.
Genau hier liegt meines Erachtens das größte Potenzial von KI.
McKinsey spricht in diesem Zusammenhang von einem „Decision Dividend“. Demnach entsteht ein großer Teil des wirtschaftlichen Nutzens von KI nicht allein durch eingesparte Arbeitszeit, sondern durch schnellere und bessere Entscheidungen.
Wenn Produktionspläne häufiger an aktuelle Nachfrage- und Bestandsdaten angepasst werden, lassen sich vorhandene Kapazitäten besser nutzen. Wenn Preis-, Investitions- oder Sortimentsentscheidungen auf mehr Informationen und belastbareren Szenarien beruhen, steigen Handlungsfähigkeit und Ergebnisqualität. Und wenn ein Unternehmen früher auf Veränderungen reagiert, kann es Chancen nutzen, die langsamere Wettbewerber verpassen.
Entscheidend ist nicht der Umfang des KI-Einsatzes, sondern sein messbarer Beitrag zum Unternehmenserfolg. Erst wenn KI die Kosten senkt, Prozesse verbessert, Umsätze steigert oder die Qualität von Entscheidungen erhöht, entsteht wirtschaftlicher Nutzen.
Relevanter ist demnach die Frage, bei wie vielen wirtschaftlich wichtigen Entscheidungen KI bereits zu einer besseren Entscheidungsgrundlage, schnelleren Abläufen oder zu einer Automatisierung (wo sinnvoll) beiträgt.
Dabei genügt es nicht, KI auf bestehende Abläufe aufzusetzen. Die wenigen Unternehmen, die bereits einen erheblichen finanziellen Nutzen erzielen, gestalten ihre Workflows deutlich häufiger grundlegend neu. Sie verbinden Technologie mit Daten, Prozessen, Verantwortlichkeiten und klaren wirtschaftlichen Zielgrößen.
Der ROI von KI beginnt deshalb nicht bei der eingesparten Arbeitsstunde. Er beginnt dort, wo ein Unternehmen bessere Entscheidungen trifft und daraus bessere Geschäftsergebnisse entstehen.
veröffentlicht am 26.08.2026
Wenn KI das Urteilsvermögen schwächt
KI kann Führungskräften helfen, Informationen und Daten schneller auszuwerten, Zusammenhänge zu erkennen und Entscheidungen vorzubereiten. Doch was, wenn sie zunehmend das Denken vorstrukturiert?
Mit dieser Frage beschäftigen sich Leonid Sudakov und Nathan Furr in einem aktuellen Beitrag im Harvard Business Review (08/26). Ausgangspunkt ist unter anderem ein Feldexperiment mit 228 erfahrenen Personen, die Einreichungen für einen Innovationswettbewerb bewerten sollten. Untersucht wurde, wie sich unterschiedliche Formen der KI-Unterstützung auf ihre Beurteilungen auswirkten.
Die Autoren leiten daraus eine wichtige Warnung ab: Je häufiger Führungskräfte auf vorformulierte Einschätzungen und Empfehlungen von KI zurückgreifen, desto größer ist die Gefahr, dass sie ihr eigenes Urteilsvermögen weniger aktiv einsetzen. Aus einem hilfreichen Werkzeug kann so schleichend eine Instanz werden, die nicht nur Informationen liefert, sondern den Denkrahmen vorgibt.
Das bedeutet nicht, auf KI bei Managemententscheidungen zu verzichten. Im Gegenteil: Ihre Fähigkeit, große Datenmengen zu analysieren, Muster sichtbar zu machen und verschiedene Szenarien durchzuspielen, kann die Entscheidungsqualität erheblich verbessern. Entscheidend ist jedoch, an welcher Stelle des Prozesses sie eingesetzt wird.
Führungskräfte sollten sich deshalb bei wichtigen Entscheidungen zunächst ein eigenes Bild machen: Was ist das eigentliche Problem? Welche Annahmen liegen der Entscheidung zugrunde? Welche Erfahrungen und Kontextinformationen sind relevant? Erst danach sollte KI genutzt werden, um diese Einschätzung zu überprüfen, Gegenargumente zu liefern oder zusätzliche Perspektiven aufzuzeigen.
Gute Entscheidungen entstehen nicht dadurch, dass KI das Urteil übernimmt. Sie entstehen im Zusammenspiel aus Daten, analytischer Unterstützung, Erfahrung und menschlicher Verantwortung. Unternehmen brauchen deshalb nicht nur leistungsfähige KI-Systeme, sondern bewusst gestaltete Entscheidungsprozesse innerhalb ihrer Organisation, die das eigenständige Denken erhalten.
Die zentrale Managementfrage lautet damit nicht allein: Wo können wir KI einsetzen? Sondern auch: Wo müssen Führungskräfte weiterhin selbst urteilen, bevor sie KI hinzuziehen?
veröffentlicht am 19.08.2026
KI demokratisiert Wissen, aber nicht notwendigerweise Expertise.
Wenn jeder KI-Nutzer zum Experten wird, wer erkennt dann noch, ob die Ergebnisse fachlich gut sind?
Generative KI ermöglicht heute Ergebnisse, für die früher erhebliche Erfahrung notwendig war. Texte, Analysen, Konzepte oder Strategien entstehen innerhalb weniger Minuten – und wirken häufig erstaunlich professionell.
Doch genau darin liegt ein Problem.
David S. Duncan beschreibt in der Harvard Business Review ein interessantes Paradox: Erfahrene Mitarbeiter können erhebliche Produktivitätsgewinne aus KI ziehen. Weniger erfahrenen Mitarbeitern fehlt dagegen häufig die Fähigkeit einzuschätzen, ob ein KI-generiertes Ergebnis überhaupt gut ist.
KI demokratisiert Wissen – aber nicht notwendigerweise Expertise.
Denn ein professionell wirkendes Ergebnis bedeutet noch lange nicht, dass jemand beurteilen kann,
- ob die zugrunde liegenden Annahmen stimmen,
- ob wesentliche Aspekte fehlen,
- ob das Ergebnis zum Kontext passt,
- welche Risiken bestehen oder
- wann eine Ausnahme von der Regel notwendig ist.
Für Unternehmen entsteht daraus eine weitere Herausforderung: Wie entwickeln Nachwuchskräfte künftig genau dieses Urteilsvermögen, wenn KI zunehmend jene Aufgaben übernimmt, an denen sie bislang Erfahrung gesammelt haben?
KI ausschließlich als Instrument zur Produktivitätssteigerung zu betrachten, greift deshalb zu kurz.
Je stärker KI das Erstellen übernimmt, desto wichtiger werden auf menschlicher Seite Einordnung, Interpretation, Kontrolle und Entscheidung.
Das gilt besonders für Führungskräfte. Technologie allein schafft keine besseren Entscheidungen. Dafür braucht es geeignete Prozesse und Governance, kompetente Menschen sowie belastbare Daten und kontrollierbare KI.
Vielleicht wird Erfahrung durch KI deshalb nicht weniger wertvoll, sondern wertvoller.
Denn je einfacher es wird, überzeugende Antworten zu produzieren, desto wichtiger wird die Fähigkeit, zwischen einer überzeugenden und einer richtigen Antwort unterscheiden zu können.
